20. April 2009
Florians iPhone (3)
Nach rund eineinhalb Monaten mit meinem iPhone auf Du-und-Du beginne ich zu verstehen, warum manche Liebhaber sich für das Apple-Handy so einsetzen, als ginge es um den Weltfrieden. Es ist auf der einen Seite ein geniales Männer-Business-Technik-Spielzeug, aber auf der anderen Seite (die nicht alle wahrhaben wollen) ein ziemlich durchschnittliches Handy. Mit diesem letzten Satz habe ich mich vermutlich selber für vogelfrei erklärt, doch wen die Hintergründe dazu interessieren ->
Fangen wir mit den Sachen an, die mich nach rund sieben Wochen ganz nachhaltig am iPhone begeistern: Da ist zunächst das E-Mail-Programm. E-Mails auf dem iPhone sind eine Offenbarung. Selbst viele Postfächer lassen sich leicht und übersichtlich abrufen und sind permanent in der Hosentasche greifbar. Mit etwas Übung kann man sogar ganz leidlich kurze Texte tippen.
Dann der Safari-Browser. Mit ihm kann man unterwegs das Internet ordentlich nutzen: Kurz googeln, bei Wikipedia nachschlagen oder das connect-Forum checken. Gut, alles ist natürlich etwas kleinklein und je nach Seite ein arges Hin-und-her-Geschiebe, aber es geht und andere machen es nicht besser. Der integrierte iPod hat mich sogar zu iTunes domestiziert, ich habe in nächtelanger Arbeit Cover nachgeladen und Stücke getaggt, damit das alles so flutscht wie vorgesehen.
Die Möglichkeit sich Karten der Umgebung oder von sonstwo anzuschauen ist gerade in der Fremde ungemein praktisch. Der wirklich coole Multitouchscreen und das unterhaltsame Bedienkonzept suchen ihres Gleichen. Auch lustige Spiele (mein aktueller Favorit ist iShoot) gibt’s zuhauf, tolle Applikationen auch. Von Navteq kommt demnächst eine TMC-Pro-Info-Applikation, die Staus und Störung in der Umgebung anzeigt. Merian bietet seine Städteführer als Applikation an, Webradio kann man hören, etcetera pepe.
Aber es gibt auch Dinge die gewaltig nerven. Da ist zuerst der Akku meines iPhone 3G. Entweder hat man ihn beim Zusammenbau versehentlich gegen eine Knopfzelle getauscht, oder er hält bei allen nur so kurz durch. Wenn er zwei volle Tage Einsatz schafft, dann verneige ich mich gen Cupertino und stimme ein Dankeslied an. Denn inzwischen bin ich mehr als einmal ohne Strom im Phone dagestanden.
Außerdem foppt mich das charmante Bedienkonzept ab und an. Vorhin klingelte es wieder in voller Lautstärke, ich schiebe den grünen Pfeil artig nach rechts um abzunehmen, aber er will nicht. Er flutscht mir unterm Finger immer wieder nach links. Das iPhone macht weiter Radau in der Edeka-Kassen-Schlange. Beim fünften Versuch klappt‘s dann. Manchmal hat es offenbar keine Lust und reagiert verzögert bis unwillig. Sowas kennt man von seinem Windows-Rechner, aber nicht vom Handy.
Dann ist es noch ziemlich ausladend und schwer. Solange man den Strahlenemittenten nachwuchsverachtend in der Hosentasche nahe den Familienjuwelen trägt, macht das wegen seiner Flachheit nichts, aber in der Hemdtasche zieht er arg am Gewebe.
So wie ich das iPhone hier (mit schon wieder fast leerem Akku) liegen habe, ist es ein exzellenter mobiler E-Mailer. Ein schicker iPod. Ein Infotool und Technikspielzeug erster Güte. Aber eben auch ein großes, mit sehr geringer Ausdauer versehenes und mal mehr mal weniger zickiges Handy. Mein Nokia 6233 ist nur ein gutes, sehr ausdauerndes Handy. Alles andere was das iPhone neben dem Handyjob auch noch kann, kann es nicht oder nur weniger gut. Mein N82 kann vieles von dem was das iPhone kann auch, manches besser und hält länger durch. Aber auf ihm kann ich aber kein iShoot zocken, hab kein Coverflow und E-Mails nur als doofen Text ohne freudvolles Scrollen.
Ich bleib’ dabei: Das iPhone ist ein geniales Spielzeug für Teenies und Erwachsene. Ein sexy Wunderwerk der Technik, aber nur ein durchschnittliches Handy.
20. April 2009 22:26
Moin Florian!
Seit einer Woche trage ich nun stolz mein iPhone bei mir, und muß sagen, es ist ein echt geniales Teil. Die Sorgen mit dem Akku kann ich aber (noch) nicht nachvollziehen. Bei doch recht intensiver Nutzung hat die erste Akkuladung satte 4,5 Tage gehalten. Das fand ich erstaunlich. Ich werde demnächst im Forum posten, wie meine Erfahrungen sind und ggf. auf diesen Blog verweisen.
LG
21. April 2009 12:05
Ich habe mich über Ostern ernsthaft mit einer Trennung vom iPhone beschäftigt.
Nach 2 Tagen ohne iPhone - habe es bewußt zu Hause liegen lassen - habe ich diesen Gedanken ganz schnell verworfen.
Wie komme ich jetzt unterwegs an meine mails, wo ist die nächste Apotheke (Heuschnupfen), wo ist der nächste Geldautomat … lässt sich alles mit dem iPhone sowas von leicht erledigen und auch der Weg dorthin lässt sich sowas von leicht finden, das kenne ich von keinem anderen Telefon …
22. April 2009 06:03
Der Bug, dass die Rufannahme gelegentlich scheitert, weil der Schieber nicht will ist bekannt. Dazu solltest Du in diesen seltenen Fällen probieren, den Standbyknopf kurz zu drücken - der Schieber läßt sich dann meist bewegen.
Das mit dem Akku ist schon wahr. Ich habe meinen jede Nacht am Strom. Allerdings war das bei keinem Gerät davor wirklich anders, so dass ich den Kritikpunkt so nicht stehen lassen kann. Und vergiß nicht: Auch iShoot braucht Saft - das sind Nutzungen, für die Telefone bis dato nicht herhalten mussten.
Ist das Telefon deshalb durchschnittlich? Vielleicht, aber es ist bestimmt nicht unterdurchschnittlich, wie es mir Monat für Monat aus der Connect Bestenliste entgegenschreit.
Nochmal: Der Test von Euch ist und bleibt ein Skandal.vor allem deshalb, weil er methodisch zum Himmel stinkt!
Almi
22. April 2009 06:14
..davon abgesehen: In meinem Umfeld durchdringt das iPhone derzeit alle Altersgruppen und Schichten. Schwiegereltern, Opas, Neffen, Cousinen und Kollegen. Und auch Connect-Redakteure
- Ich könnte keine Gemeinsamkeiten nennen - ausser einer:
Allen geht es wie Dir, Flo. Anfangs vielleicht zweifelnd, schliesslich vom Konzept - trotz aller ggf. empfundenen Schwächen - überzeugt. Und vor allem: Nach kurzer Eingewöhnungszeit würde es keiner mehr hergeben, könnte sich keiner einen Wechsel zurück vorstellen..
Solltest Du das Telefon wirklich und ehrlich für so “durchschnittlich” halten, wie Du sagst, dann wärest Du einer der Ersten..
Almi
22. April 2009 11:02
@Almi
ich schreibe es doch eigentlich unmissverständlich: Als “Handy” durchschnittlich, als Männer-Business-Technik-Spielzeug ganz große Klasse. Und mit viel Spaß-und Will-haben-Faktor. Und ich liebe - wie so viele - coole Technik-Spielzeuge.
22. April 2009 11:55
..nein, hab ich schon verstanden, wobei natürlich nicht immer alle Sachen unter einen Hut passen:
Intensive Nutzungen sind der natürliche Feind des Akkus - wie es deutlich schlimmer geht -> Android G1, SE X1. Große brilliante Displays mit entsprechendem Format/Gewicht sind der natürliche Feind der Brusttasche.
So gesehen frage ich halt nach dem Massstab - wobei auch fraglich ist, was denn “gute” Telefonieeigenschaften denn sein sollen? Ich konnte bspw. niemals auch nur annähernd so einfach Telefonkonferenzen arrangieren, wie mit dem Apple Gerät. Andererseits ist mein Nokia auch bisweilen einmal abgestürzt.
Was das Akku betrifft hinkt in meinen Augen jeder Vergleich mit der Vergangenheit, denn dazu ist die Nutzung einfach nicht vergleichbar, die heutzutage bspw. bei mir um den Faktor 10 gegenüber dem Jahr 2000 gestiegen ist, allein was Telefonie betrifft.
Man könnte versöhnlich sagen, dass am Ende jedes Handy in seiner Qualität nur das Resultat einer Reihe von Designentscheidungen sein kann, die an vielen Stellen Kompromisse darstellen müssen.
Ich vergleiche deshalb ein 6300 in Sachen Internetfähigkeit auch nicht mit dem iPhone, um darüber herzuziehen, dass der Bildschirm zu klein ist. Oder erwarte von einem UMTS Gerät dieselbe Akkuleistung, wie von 2G Netzen. Diese an sich selbstverständlichen Fussnoten einer Kriterienwertung wie bei Connect feheln mir doch sehr. Und am auffälligsten - warum auch immer - ist das eben beim iPhone.
Ich zielte mit meinem Statement deshalb v.a. auf das Testergebnis. Platz 90+ ist eindeutig unterdurchschnittlich - und das Festhalten daran ist bei allem Respekt indiskutabel.
Almi
21. Mai 2009 22:17
Hallo, das mit dem Akku kann ich verstehen. Wenn ich überleg, wie ich ein SE P1i erweitern kann und außer gelegentlicher Trägheit überzeugt das Teil sowohl als Multimediaspielzeug wie als Handy und Organizer. Und das bei einer Laufzeit von 6-14 Tagen. Gute Kamera, guter Mp3-Player (entspr. Kopfhörer vorausgesetzt), Wetterabfrage, Onlinebanking, Officesoftware, Navi mit ext. GPS etc. Und der Akku ist echt gut. Wenn ich dann ein Iphone oder Win. Mobile vom Stromverbrauch betrachte gibt es da wirklich noch Entwicklungsmöglichkeiten.