29. Januar 2010
Kurzweilige iPhorie
Ich will es ja gar nicht leugnen: Als Steve Jobs in der Nacht zum Donnerstag sein “magisches und revolutionäres” iPad vorgestellt hatte, konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und musste sofort in sämtlichen sozialen Netzwerken meine Begeisterung mit Freunden teilen. Donnerstags Morgen war die “Wunderflunder” natürlich auch Thema Nummer Eins in der connect-Redaktion.
“Das Teil sieht aus, als hätte Apple das iPhone genommen und mit einem Teigroller auf rund 10-Zoll plattgedrückt”, lautete ein Fazit. Doch wofür brauche ich eigentlich ein plattgedrücktes iPhone? Die “völlig neue Gerätekategorie” möchte zwischen Smartphone und Notebook angesiedelt werden, verzichtet dabei jedoch auf USB-Anschluss und Speicherkartenslots. Wer auf dem Multimedia-Talent wirklich Videos in Half-HD-Qualität schauen möchte, bekommt selbst die 64-Gigabyte-Variante relativ schnell voll. Zudem kann das iPad weder Multitasking noch Flash. Während ich also durchs Internet surfe, reißt mir die Flash-Abstinenz Löcher in die Webseiten, ich kann nicht gleichzeitig Radio hören und E-Mails schreiben, noch kann ich die Bilder von der Speicherkarte meiner DigiCam auf mein iPad übertragen. Supi. Dann schreib ich damit eben meinen nächsten Blogg-Eintrag? Hm. Auf der virtuellen Qwerty-Tastatur möchte ich eigentlich keine allzu langen Texte tippen und die optionale Tastatur ist wahrscheinlich nicht ganz billig. Als wirklicher Notebook-Ersatz scheidet das iPad somit schnell aus.
Das Display ist schön groß und für die Darstellung von Bildern, Videos und Webinhalten sicherlich gut geeignet. Ein Mulitmedia-Gerät also, das dank Fingersteuerung das Surfen im Web einfacher machen will - allerdings hätte ich mir mehr als “nur” einen konventionellen TFT-Bildschirm gewünscht; vielleicht einen stromsparenden OLED!? Letzterer wäre angesichts der angegebenen 10 Stunden Ausdauer, die der Akku liefern soll, vielleicht keine schlechte Idee gewesen. Denn: Beim iPhone gibt Apple die Ausdauer bei WiFi-Nutzung auch mit bis zu 9 Stunden an, mein iPhone macht allerdings deutlich früher schlapp.
Zwar lässt sich der Funktionsumfang mit den unzähligen Apps nahezu beliebig erweitern und den persönlichen Vorlieben anpassen. Als Nutzer bin ich jedoch im Apple-Ökosystem gefangen - Software von Drittanbietern kann ich nur installieren, wenn Apple sein Okay gegeben hat. Bilder, Videos, Web, App-Store - das alles hat das iPhone auch zu bieten.
E-Books lesen, genau - das soll ein weiteres Highlight des iPad sein, samt nagelneuem “iBook-Store” für den Einkauf von elektronischen Büchern. Wir erinnern uns: Das iPad hat ein TFT-Bildschirm. Im letzten Vierteljahr hatte ich Gelegenheit, neben den beiden Amazon-Readern Kindle 2 und Kindle DX auch E-Book-Reader von Sony zu testen. Sie alle arbeiten mit einer E-Ink genannten Display-Technologie. Die Bildschirme sind zwar monochrom und beim Bildaufbau etwas träge. Allerdings erzeugt der gestochen scharfe und Papier-ähnliche Kontrast nahezu den Eindruck, ein gedrucktes Dokument in den Händen zu halten und nicht etwa ein elektronisches Lesegerät. Ich kann mich also auch in den Park setzten und mit der Sonne im Rücken lesen. Das iPad kann Zeitungen und Zeitschriften zwar schön mit Farben und Bildern darstellen, jedoch spiegelt es in der prallen Sonne und die Augen ermüden beim Lesen aufgrund der aktiven Hintergrundbeleuchtung schneller als mit einem E-Book-Reader.
Was war noch… ach ja, eine Kamera hat Apple einfach weg gelassen. Wieso eigentlich? Sollte ein talentiertes Multimedia-Gerät nicht auch eine Kamera für sagen wir mal Video-Chats haben? Jetzt hab ich schon so ein Gerät und wenn ich mit meinem Cousin in Griechenland skypen möchte, muss ich mich doch wieder vor den Rechner setzen!
Die anfängliche Euphorie über das iPad ist schnell verflogen. Bleibt abzuwarten, wie sich das Teil in echt anfühlen wird. Wahrscheinlich wird es wieder einmal so viel Spaß machen, dass die Schwächen dann schnell vergessen sind.